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1&1-Netz im Realitätscheck: Was taugt Deutschlands viertes Mobilfunknetz?

Internet-Deals Redaktion · 16. März 2026 · Lesezeit ca. 6 Min.

Über zwanzig Jahre lang hatte Deutschland exakt drei Mobilfunknetze. Telekom, Vodafone, O2 – fertig, mehr Auswahl gab es nicht, egal welcher Name auf deiner SIM-Karte stand. Seit einiger Zeit stimmt dieser Satz nicht mehr: 1&1 baut als vierter Anbieter ein eigenes Netz. Das ist, ganz nüchtern betrachtet, das ambitionierteste Infrastrukturprojekt im deutschen Mobilfunk seit Jahrzehnten.

Und trotzdem hört man an Stammtischen und in Foren denselben Verdacht:

„Das 1&1-Netz ist doch gar kein richtiges Netz. Die funken doch eh über Vodafone.“

Stimmt das? Jein. Und dieses Jein lohnt sich zu verstehen, bevor du einen 1&1-Tarif buchst – oder ihn vorschnell abschreibst.

Was 1&1 wirklich gebaut hat

1&1 hat bei der Frequenzauktion 2019 eigenes Spektrum ersteigert und errichtet seitdem eigene Antennenstandorte. Technisch geht das Unternehmen dabei einen Weg, den in Europa vorher niemand in dieser Größe gewagt hat: Open RAN. Statt die komplette Technik von einem einzigen Ausrüster zu kaufen, werden standardisierte Komponenten verschiedener Hersteller per Software verknüpft. Das Netz ist dadurch moderner und flexibler aufgebaut als die gewachsenen Netze der Konkurrenz – auf dem Papier ein echter Vorsprung, in der Praxis aber eben auch: neu, jung, im Aufbau.

Und genau da kommt Vodafone ins Spiel. Überall dort, wo noch keine eigene 1&1-Antenne steht, wechselt dein Handy automatisch ins Vodafone-Netz. National Roaming nennt sich das – dasselbe Prinzip, das dein Handy im Ausland nutzt, nur eben innerhalb Deutschlands. Für dich als Kunde passiert das unsichtbar. Kein Neustart, kein Einstellungs-Gefummel, das Gerät sucht sich selbst das verfügbare Netz.

Der Stammtisch-Verdacht ist also halb richtig: Ja, ein großer Teil des 1&1-Verkehrs läuft heute noch über Vodafone-Masten. Aber die Richtung stimmt – der Anteil des eigenen Netzes wächst Monat für Monat, zuerst in den Städten, wo die eigenen Standorte konzentriert entstehen.

Wie fühlt sich das im Alltag an?

Ehrlich gesagt: meistens unspektakulär. Und das ist als Kompliment gemeint. Wer mit einer 1&1-SIM durch Deutschland fährt, telefoniert und surft, ohne zu merken, welches Netz gerade bedient. Die Empfangsqualität entspricht in der Fläche im Wesentlichen der von Vodafone – also solide, mit den bekannten Schwächen auf einzelnen Landstrichen und Bahnstrecken. Wo Vodafone gut ist, ist 1&1 gut. Wo Vodafone schwächelt, schwächelt 1&1 mit. Wie sich die drei etablierten Netze in der Fläche schlagen, haben wir im großen Netzvergleich aufgedröselt – die Karte dort gilt für 1&1-Kunden sinngemäß mit.

In den ersten Monaten nach dem Start gab es Kinderkrankheiten, das gehört zur Wahrheit dazu: Übergaben zwischen eigenem Netz und Roaming-Netz liefen nicht immer sauber, vereinzelt brachen Verbindungen ab. Vieles davon ist inzwischen ausgebügelt. Was bleibt, ist ein Netz im Übergangszustand – funktional, aber noch nicht das, was es einmal werden soll.

Was sagen die Netztests?

Die großen Netztests der Fachpresse nehmen 1&1 inzwischen regulär als viertes Netz mit auf – und die Ergebnisse erzählen eine ehrliche Geschichte. In den ersten Runden landete das junge Netz erwartungsgemäß hinter Telekom, Vodafone und O2, vor allem weil die Messwagen naturgemäß viel Roaming-Gebiet durchfahren. Seitdem geht die Kurve aber sichtbar nach oben: In den Städten, wo eigene 1&1-Standorte funken, messen die Tester teils sehr ordentliche 5G-Werte, und der Rückstand zur etablierten Konkurrenz schmilzt von Testrunde zu Testrunde.

Wichtig ist die Einordnung: „Letzter Platz von vier“ klingt dramatischer, als es sich anfühlt. Der Abstand zwischen Platz drei und vier ist im Alltag kleiner als der zwischen einem guten und einem schlechten Wohnzimmer-Standort. Wer in einer Großstadt wohnt, merkt vom vierten Platz praktisch nichts; wer viel über Land und mit der Bahn unterwegs ist, fährt faktisch Vodafone-Qualität – mit deren bekannten Löchern. Ein Blick auf den Funkloch-Atlas der Bundesnetzagentur für die eigenen Alltagsstrecken sagt mehr als jede Gesamtnote.

Für wen lohnt sich das – und für wen nicht?

Das eigentliche Argument für 1&1 ist nicht die Technik, sondern der Preis. Die All-Net Flat Basic mit 10 GB kostet 9,99 € im Monat – dafür bekommst du bei Telekom oder Vodafone direkt keinen vergleichbaren Tarif. Dazu kommen regelmäßig Aktionen mit mehr Datenvolumen zum gleichen Preis. Preislich spielt 1&1 damit in der Discounter-Liga, liefert aber Vodafone-Abdeckung als Sicherheitsnetz. Auch bei den Nebenschauplätzen gibt sich der Neuling keine Blöße: eSIM wird unterstützt, 5G ist in den Tarifen enthalten, und nach der Mindestlaufzeit gilt wie überall die monatliche Kündbarkeit.

Was dafür spricht:

  • Ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis, gerade im Vergleich zu den Netzbetreiber-Tarifen
  • Vodafone-Abdeckung als Fallback – du bist nie schlechter versorgt als ein Vodafone-Kunde
  • Modernes 5G-Netz dort, wo eigene Standorte stehen
  • Ein vierter Netzbetreiber belebt den Wettbewerb – davon profitieren am Ende alle Tarifpreise

Was dagegen spricht:

  • Wer maximale Netzqualität will, ist im Telekom-Netz nach wie vor besser aufgehoben – auch mit Discounter-Tarifen wie Congstar ab 10 €
  • Das Netz ist im Umbau; vereinzelte Übergabe-Ruckler zwischen eigenem Netz und Roaming sind nicht ausgeschlossen
  • Reine O2-Discounter unterbieten den Preis teils deutlich – im Billigtarif-Check findest du Allnet-Flats ab 4,99 €

Kurz gesagt: 1&1 ist die richtige Wahl für Pragmatiker, die einen fairen Preis mit solider Flächenabdeckung wollen und denen egal ist, über wessen Antenne die Bits laufen. Es ist die falsche Wahl für alle, die entweder das letzte Quäntchen Netzqualität suchen oder den absolut niedrigsten Preis.

Der Blick nach vorn

Man kann von der Vermarktung halten, was man will – „Deutschlands modernstes Netz“ ist eine steile Ansage für ein Netz, das noch auf den Wettbewerber angewiesen ist. Das ist Marketing, nicht Mathematik. Aber die strategische Wette dahinter ist ernst zu nehmen: Wenn der Ausbau im geplanten Tempo weitergeht, telefonieren 1&1-Kunden in ein paar Jahren überwiegend im eigenen Netz, und Deutschland hat dann tatsächlich vier vollwertige Infrastrukturen. Für die Preise am Markt wäre das die beste Nachricht seit Langem.

Bis dahin gilt: Vergleichen lohnt sich, wie immer. In unserem Mobilfunk-Vergleich siehst du, wo 1&1 preislich gerade steht – und ob ein Discounter im Telekom-, Vodafone- oder O2-Netz dein Verbrauchsprofil nicht doch günstiger abdeckt. Die spannendste Frage ist ohnehin nicht, ob das vierte Netz gut genug für dich ist. Sondern, was seine bloße Existenz mit den Preisen der anderen drei macht.

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